Deconstructing Harry (1997)

Deconstructing Woody


von Thomas Hunziker


In Woody Allens neuester Komödie, bei der er wie immer selber Regie führte und das Drehbuch schrieb, übernimmt er die Rolle des Harry Block, ein erfolgreicher Schriftsteller, der vorzugsweise über seine ehemaligen Affären schreibt. Dies führt dazu, dass Harry keine alten Freunde hat, gelegentlich aber Besuch von empörten alten Flammen erhält, die ihn umzubringen drohen. In die Handlung eingestreut sind Rückblenden in Harrys Leben, oder besser gesagt Visualisierungen seiner Figuren, in denen Harry u.a. von Robin Williams und Tobey Maguire (The Ice Storm) dargestellt werden. Unterdessen sucht Harry nach jemandem, den ihn zu einer Ehrung begleitet, und muss dabei entsetzt feststellen, dass sich seine jüngste Liebe Fay (Elisabeth Shue) mit Larry (Billy Crystal) verheiraten wird. Harry hatte schon lange den Verdacht, dass Larry der Teufel ist.


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Schliesslich findet Harry dennoch Reisegefährten und begibt sich unausweichlich auf den im Filmtitel erwähnten Weg zu seiner eigenen Dekonstruktion. Dabei begegnet er seinen Schöpfungen und muss sich von ihnen zurechtweisen lassen. Wie bereits in Stardust Memories verwischt Woody Allen in Deconstructing Harry die Grenzen zwischen Schöpfer und Schöpfung. Währenddem in Stardust Memories die Hauptfigur ein Regisseur war, ist sie in Deconstructing Harry ein Schriftsteller, was im Falle von Regisseur und Autor Woody Allen keinen grossen Unterschied macht, und so erweist sich Deconstructing Harry als Neufassung von Woody Allens älteren Filmen, ohne jedoch die Themen zu vertiefen oder neue Einblicke zu präsentieren. Die wiederauftauchende Profanität, die Allen nach seinen ersten Filmen abgelegt hatte und damals noch als Provokation zu werten war, muss heute als Altersschwachheit ausgelegt werden, und wer sich daran amüsiert, kann sich genausogut mit einer Adam Sandler-Komödie vergnügen.


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Ein Schritt zurück

Entweder ist Woody Allen vergesslich geworden oder dann hat er eine Zeitmaschine entdeckt; schon während den Titeln, die von seinen älteren Filmen übernommen sind, lässt sich erahnen, dass er keine neue Weisheiten kundtun wird. Obschon Allen mit Bullets over Broadway moeglicherweise einige seiner Hardcore-Fans entsetzte, bedeutete dieser Film immerhin einen Schritt in eine neue Richtung, und trotz thematischer Überschneidungen mit seinen anderen Filmen (z.Bsp., der Autor und sein Werk, wie bei Deconstructing Harry), so wurden die Themen zumindest anders angegangen und ausgelegt. Auch Allens letzten beiden Filme, Mighty Aphrodite und Everyone Says I Love You, zeigten an, dass der Regisseur den Schritt in ein neues Jahrzehnt gemacht hatte. Mit Deconstructing Harry macht Woody Allen nun einen Schritt zurück, wodurch er das Warten auf seinen nächsten Film spannend macht; es wäre schliesslich langweilig, wenn jeder Film von demselben Regisseur ein Meisterwerk wäre.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Deconstructing Harry (1997)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Allen, Woody
Drehbuch:Allen, Woody
Produktion:Aronson, Letty
Doumanian, Jean
Joffe, Charles H.
Rollins, Jack (II)
Aronson, Letty
Doumanian, Jean
Joffe, Charles H.
Rollins, Jack (II)
Koproduktion:Brick, Richard
Ausf. Prod.:Beaucaire, J.E.
Kamera:Di Palma, Carlo
Schnitt:Morse, Susan E.
Ausstattung:Loquasto, Santo
Kostüme:Benzinger, Suzy
Besetzung:Aaron, Caroline
Allen, Woody
Alley, Kirstie
Balaban, Bob
Benjamin, Richard
Bogosian, Eric
Crystal, Billy
Davis, Judy
Goodman, Hazelle
Hemingway, Mariel
Irving, Amy
Kavner, Julie
Lloyd, Eric (I)
Louis-Dreyfus, Julia
Maguire, Tobey
Moore, Demi
Saks, Gene
Shue, Elisabeth
Spiegel, Howard
Tucci, Stanley
Williams, Robin
Anzell, Hy
Block, Scotty
Bosco, Philip
Harper, Robert (I)
Lerer, Shifra
 
Länge:94 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Jean Doumanian Productions
CH Verleih: Elite Film


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