Deconstructing Harry (1997)
Man, musste der Kerl wütend gewesen sein, als er das Drehbuch zu «Deconstructing Harry» schrieb. Aber geht das überhaupt? Kann man sich Woody Allen als wutschnaubenden Choleriker vorstellen?
von Serge Zehnder - E-mail
Muss wohl so sein. Denn bereits zu Beginn dieser bitterbösen Abrechnung mit Gott, der Welt und was ihm sonst noch so alles in den letzten Jahren Schwierigkeiten bereitet hat, verwendet Allen bereits mehr Fluchwörter als in all seinen Filmen zusammen. Der Grund für diesen Wasserfall an Profanität heisst Harry Block (Allen), der gerade seinen neusten Roman veröffentlicht hat und jetzt seiner wutschnaubenden Ex-Freundin Lucy (Judy Davis) gegenübersteht, die ihn bezichtigt, er hätte ihr intimleben auf Papier gebracht, nur um daraus Profit zu schlagen. Und sie ist nicht die einzige, die von Harry's Schreibkünste nicht entzückt ist. Harry's Leben war und ist in jeder Hinsicht neurotisch und ob er verheiratet war oder nur in einer Beziehung steckte, jede seiner realen Begegnungen formte sich zu einer Figur, die ihren Platz in einer von Harry's Geschichten fand. Allen verbindet diese beiden Ebenen auf gewohnt einfallsreiche Weise.
BITTERE ANALYSE
Man kann sich auch bei Deconstructing Harry fragen, ob Allen denn nichts Neues mehr einfällt, nur, ihm fällt es so genial nicht ein, wie keinem anderen. Die Themenkreise, um die sich seine Filme drehen, da macht auch dieser Film keine Ausnahme, sind stets dieselben. Der wesentliche Unterschied, der Deconstructing Harry aus Allens Gesamtwerk hervorstechen lässt, ist neben der extremen Profanität auch die absolute Kaltherzigkeit, mit der Allen sein Leben der letzten Jahre verarbeitet. Scheidungstrara, Vaterschaftsprobleme und Bezichtigungen haben sein Leben bestimmt. Indes fand er allerdings in der Arbeit die nötige Kraft und den Auftrieb, um jedes Jahr einen Film abzuliefern. Diesen guten Geistern, die sich auf dem Papier und schliesslich im Film wiedergefunden haben, dankt er hier.
DIE ALLEN ROUTINE
Wenn es sie nicht gäbe, würde man sie vermissen, so viel steht fest. Allens zügiger Arbeitsstil und seine unglaubliche Kreativität erstaunen trotz der zuvor erwähnten sich wiederholenden Muster stets aufs Neue. Neben den von ihm erbrachten Rohmaterialien wie ein gutes Drehbuch und gute Regie konnte Allen bei jedem seiner Filme auf eine beeindruckende Besetzung zurückgreifen. Dabei versammelt er meistens Jung und Alt, und es gibt sehr wenige bekannte Darsteller und Darstellerinnen, die nicht schon einmal in einer kleineren oder grösseren Rolle zu sehen waren. Das erstreckt sich von Meryl Streep («Manhatten») und John Malkovich («Shadows & Fog») über Gena Rowlands («Another Woman») und Kenneth Branagh (sein neustes bis jetzt unbetiteltes Werk) bis hin zu Robin Williams und Elisabeth Shue, die beide Deconstructing Harry neben einer genialen Judy Davis und Demi Moore (noch nie so gut) ein wiederum einmaliges Cast abrunden. Und natürlich plaziert sich auch Allen selbst erneut in der Rolle des herumfüchtelnden Neurotikers, für die er geboren wurde. Es gibt wohl einiges, was man an Woody aussetzen könnte, aber dass der Mann nun mal ein hochintelligenter Filmemacher, mit einem gesundem Hang zur Selbstironie ist und ohne ihn die Filmgeschichte ärmer wäre, ist eine Tatsache. Deconstructing Harry ist der beste Beweis dafür.
Weiteres Preview von Thomas Hunziker
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Deconstructing Harry (1997)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Komödie
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| Bewertung: | |
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| Regie: | | Woody Allen
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| Drehbuch: | | Woody Allen
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| Produktion: | | Letty Aronson Jean Doumanian Charles H. Joffe Jack Rollins (II) Letty Aronson Jean Doumanian Charles H. Joffe Jack Rollins (II)
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| Koproduktion: | | Richard Brick
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| Ausf. Prod.: | | J.E. Beaucaire
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| Kamera: | | Carlo Di Palma
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| Schnitt: | | Susan E. Morse
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| Ausstattung: | | Santo Loquasto
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| Kostüme: | | Suzy Benzinger
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| Besetzung: | | Caroline Aaron Woody Allen Kirstie Alley Bob Balaban Richard Benjamin Eric Bogosian Billy Crystal Judy Davis Hazelle Goodman Mariel Hemingway Amy Irving Julie Kavner Eric Lloyd (I) Julia Louis-Dreyfus Tobey Maguire Demi Moore Gene Saks Elisabeth Shue Howard Spiegel Stanley Tucci Robin Williams Hy Anzell Scotty Block Philip Bosco Robert Harper (I) Shifra Lerer
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| Länge: | | 94 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm (Farbe)
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| Prod.-firma: | | Jean Doumanian Productions
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| CH Verleih: | |
Elite Film
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