Deep Impact (1998)
Alarm aus dem All. Die Menschheit mag noch so sehr an sich selbst ersticken, wenn Gefahr von Seiten der Milchstrasse droht, solidarisieren sich alle. Zumindest tun sie das in Filmen wie «ID4», «Meteor» oder neuerdings «Deep Impact». Aber so ganz will man diese Theorie nicht schlucken, besonders wenn sie einem so schlecht weisgemacht wird.
von Serge Zehnder
Wie schrecklich die Zerstörung durch einen Kometen oder Asteroiden aus dem All sein kann, ist schon seit längerer Zeit bekannt. Immerhin wurden die Dinosaurier durch einen dieser Himmelskörper zum Aussterben gebracht. Und weil ja mit der Jahrtausendwende sowieso ein wenig Weltuntergangsstimmung herrscht, dürfen «Es-geht-ja-trotzdem-weiter»-Filme aus der Traumfabrik Hollywood nicht fehlen. Natürlich im ordentlichen Doppelpack (Jerry «Top Gun» Bruckheimers «Armageddon» steckt auch schon in den Startlöchern), sonst wäre die Sache ja nicht der Rede wert. Nur allzu dramatisch und originell darf die Zukunftsvision nicht sein (siehe den Flop des nihilistischen Endzeitmeisterwerks «Strange Days»), Verbrüderung und Völkerverständigung sollen herrschen. Für Steven Spielberg und seine DreamWorks-Werkstatt war die aufkeimende «Kometen-und-Endknall»-Stimmung Grund genug, Mimi Leder nach ihrem Einstieg mit «The Peacemaker» die Leitung über einen der potentiellen Blockbuster (Mit über 40 Mio. $ Einspielergebnis am ersten Wochenende gut gestartet) von 1998 zu geben. Und Leder tat aufgrund ihrer TV-Erfahrung dasselbe wie bei «The Peacemaker», oder besser gesagt sie beging dieselben Fehler wie bei ihrem Debüt. Sie vermied irgendwelche mutigen Schritte im Fach der Figurenzeichnung und der visuellen Innovation.
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Und hier die Vorhersage aus dem All von Téa Leoni.
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KOLLISION MIT DER LOGIK
Aufgebaut ist Deep Impact als Reporterstory. Die junge ambitionierte (und völlig farblose) Reporterin Jenny Lerner (Téa Leoni, «Bad Boys») stösst bei ihren Recherchen bezüglich des Rücktritts des U.S.-Finanzministers (James Cromwell, «Babe», «L. A. Confidential») auf etwas Mysteriöses namens «Ellie». Dass es sich dabei nicht um die Geliebte des ehemaligen Kabinettmitgliedes handelt, wird ihr bereits nach einer halben Stunde vom U.S.-Präsidenten (Morgan Freeman) höchst persönlich mitgeteilt. «Ellie» ist die umgangssprachliche Bezeichnung von «E.L.E», einem «Worst-Case»-Szenario, das die Massnahmen im Falle einer totalen Vernichtung der Erde (eben auch durch All-Körper) erläutert. Dies findet die findige Journalistin, die auch sofort zur Newssprecherin aufsteigt, anhand einer absolut genialen Internet-Suchmaschine heraus. Aber über technische Details soll man bekanntlich nicht lamentieren. Hier sind diese «Faux-Pas» aufgrund des mageren Plots, allerdings dermassen augenfällig, dass nur noch Wegschauen hilft. Nachdem die Welt von der Bedrohung aus dem Kosmos informiert wurde, versucht Leder Spannung und Tempo zu steigern, irrt dabei aber selbst durch die Unmengen von schwarzen Drehbuchlöchern, welche den Film fortlaufend aufsaugen.
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| Die Retter der Menschheit vor dem Start
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SOAP OHNE SUBSTANZ
Da werden mutige, politisch korrekt ausgesuchte Astronauten (angeführt von Robert Duvall) ins All geschickt, die auf dem Meteorit landen und ihn mittels Sprengstoff von seinem Kurs abbringen sollen. Es sei nochmals darauf hingewiesen: Realismus darf und kann hier nicht erwartet werden. Man nervt sich umso mehr, als keine der Figuren, die in dem eigentlich schlimmen Drama involviert ist, einem auch nur einen Funken bedeutet. Leder lieferte mit ihren Beiträgen zu «E.R.» gekonnt inszeniertes Fernsehen, und genau daran leidet Deep Impact am meisten. Nicht nur verpflichtete Leder einige ihrer Kollegen aus der Notaufnahme, sie lässt die ohnehin nicht besonders interessanten Figuren noch weiter verblassen. Schliesslich jagt eine penetrante Tränendrüsen-Szene die nächste, wobei der Unterschied zwischen einem Taschentücher-Spektakel wie «Titanic» und Deep Impact am klarsten zu Tage tritt. Dort gab es Figuren aus Fleisch und Blut, die bedingungslos auf die Sympathie der Zuschauer zählen konnten, hier sterben fast ein dutzend Hauptcharaktere, denen Leder nicht einen Zentimeter Tiefe verlieh und somit kein emotionales Standbein bietet, auf das sich der Zuschauer abstützen könnte. Da hilft auch die erstklassig getrickste Schlussequenz nichts mehr. Denn obwohl man den Versuch, einen berührenden Film zu drehen, deutlich unternommen hat, wartet man am Ende nur noch auf den «Deep Impact», um endlich aus dem Kino entlassen zu werden.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Deep Impact (1998)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Actionfilm
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| Regie: | | Mimi Leder
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| Drehbuch: | | Michael Tolkin Bruce Joel Rubin
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| Produktion: | | David Brown (I) D. Scott Easton Richard D. Zanuck
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| Ausf. Prod.: | | Joan Bradshaw Walter F. Parkes Steven Spielberg
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| Kamera: | | Dietrich Lohmann
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| Schnitt: | | Paul Cichocki David Rosenbloom
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| Musik: | | James Horner
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| Ausstattung: | | Leslie Dilley
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| Kostüme: | | Ruth Myers
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| Besetzung: | | Alexander Baluyev James Cromwell Robert Duvall Ron Eldard Jon Favreau Morgan Freeman Téa Leoni Vanessa Redgrave Maximilian Schell Leelee Sobieski Blair Underwood Elijah Wood
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| Länge: | | 120 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Ton: | | Dolby Digital
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| Prod.-firma: | | Zanuck/Brown Productions DreamWorks SKG Paramount Pictures
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| CH Verleih: | |
United International Pictures
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