The Devil's Advocate (1997)
Der Preis des Erfolgs kann manchmal gar hoch sein. Regisseur Taylor Hackford verfilmte nach seinem Stephen King-Bravourstück «Dolores Claiborne» den Aufstieg und Fall eines verwöhnten Anwalts.
von Serge Zehnder
Nichts könnte Kevin Lomax (Keanu Reeves) von seinem Weg ins Nirwana der Anwälte abhalten. Eine ungebrochene Glückssträhne und die Fähigkeit, jeden Sündenfall vor Gericht in einen Freispruch zu verwandeln, machen ihn zu einem der erfolgreichsten Strafverteidiger Floridas. Diesem ungebrochenen Aufstieg, den er mit seiner Ehefrau Mary Ann (Charlize Theron) geniesst, wird noch eins draufgesetzt, wie er von einem Mitglied der grossen Anwaltsfirma Milton, Chadwick & Waters angefragt wird, um im Big Apple eine Jury auszusuchen. Alle Kosten werden gedeckt und ein bisschen Tourist in New York spielen kann ja nie schaden. Von seiner Mutter (Judith Ivey) gewarnt, ins moderne Babylon zu reisen, schlägt der junge Rechtsverdreher sämtliche Warnungen in den Wind und führt seinen Job aus, und das mit Erfolg. Was kurzerhand zu einem noch verlockenderen Angebot führt.
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| Mentor und Zögling auf höllischem Kurs
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DIE QUAL DER WAHL
Eine Stelle in der erfolgreichen Kanzlei, eine grosse Wohnung nahe dem Central Park, wer will da noch ins schwüle Florida zurück? Umsichtig fragt Lomax Mary Ann, ob sie diesen Wechsel auf sich nehmen wolle. Für Mary Ann eine rhetorische Frage, fühlt sie sich unter diesen High Society-Repräsentanten ungemein wohl. Guter Dinge wird das leere Apartment ausstaffiert und Lomax von dem Leiter der Firma, John Milton (Al Pacino), auf einem schwindelerregenden Spaziergang in die Geschäftspraktiken seiner neuen «Familie» eingewiesen. Dass die Klientel Miltons aus durch und durch schuldigen Individuen besteht, stört Lomax kaum, schliesslich sind Skrupel der erste Schritt in Richtung Florida, wo die Karriere bescheidener nicht sein könnte. Dass aber irgendetwas nicht stimmt, bekommt Lomax schon bald zu spüren, da seine Frau ihm von Albträumen und Halluzinationen erzählt, die ihr nach und nach den Verstand rauben. Verzweifelt versucht die Südstaatenschönheit ihrer neuen Umgebung gerecht zu werden und wird dabei von den anderen Anwaltsfrauen auf die feine psychologische Art verunsichert. Mary Anns übersinnliche Erlebnisse schwächen die Ehe zusätzlich, und Lomax, der an seinen Bürostuhl gefesselt scheint, hat immer mehr Mühe, Zeit und Verständnis für seine Frau aufzubringen, nicht wissend, dass sich unter seinen Füssen die Pforten der Hölle schon lange geöffnet haben, und um seine Seele gewürfelt wird.
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Lomax (Reeves) ambitioniert und eitel
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STANDPUNKTE OHNE BLASPHEMIE
Es ist schon ein etwas seltsames Süppchen, dass Hackford hier gekocht hat. Diese Kreuzung zwischen «Angel Heart» und «The Firm» mag aus der Ferne betrachtet kaum funktionieren, geht jedoch in seiner Gesamtheit weit über Alan Parkers abgründige Talfahrt und Sidney Pollacks Grisham-Adaption hinaus. Von verschiedenen Gruppierungen als blasphemisch verschrien, ist Devil's Advocate eine bitterböse Fabel über die vom Menschen geschaffene Hölle auf Erden, die sich in Form des justizialen Berufsstandes konkretisiert hat. Hackford provoziert dabei aufs äusserste, trivialisiert das christliche Glaubensgut jedoch nie. Vielmehr versucht er, das Paradoxe an der menschlichen Schöpfung hervorzuheben, die zwar Gott anbeten soll, von jedoch durch verschiedenste Dogmen der Kirche in die Arme des Teufels getrieben wird, den Pacino mit sardonischer Kaltschnäuzigkeit brillant mimt und dabei bedrohlicher als die meisten Luzifers der Filmgeschichte wirkt. Denn selten wurde die Macht, die das Gute will und stets das Böse schafft so weltlich dargestellt, und welche Fassade wäre dafür besser geeignet als die eines übermächtigen Anwalts? Dass Reeves im faustischen Gegenpart verblasst, wäre nur natürlich, passiert überraschenderweise nicht. Im Gegenteil, unter Hackfords kundiger Führung glänzt Reeves wie schon lange nicht mehr. Die Besetzung ist überhaupt höllisch perfekt, und Hackford lässt von Beginn weg keinen Zweifel aufkommen, mit wem wir es hier zu tun haben. Dafür sorgt zusätzlich das durchdachte Drehbuch von Tony Gilroy und Jonathan Lemkin (nach der Romanvorlage von Andrew Neiderman) und die visuelle Meisterschaft von Kameramann Andrej Bartkowiak («Speed», «Falling Down»), der sich mit Hackford einige zugegeben weithergeholte Kniffe hat einfallen lassen, die hier aber absolut ihre Gültigkeit haben. Ausserdem, für des Teufels Plan darf's ruhig ein bisschen exzentrisch sein.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | The Devil's Advocate (1997)
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| Genre: | | Actionfilm
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| Regie: | | Taylor Hackford
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| Drehbuch: | | Andrew Neiderman Jonathan Lemkin Tony Gilroy
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| Produktion: | | Anne Kopelson Arnold Kopelson Arnon Milchan
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| Koproduktion: | | Stephen Brown
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| Ausf. Prod.: | | Barry Bernardi Taylor Hackford Erwin Stoff Michael Tadross Steve White (II)
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| Kamera: | | Andrzej Bartkowiak
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| Schnitt: | | William Henry (III) Mark Warner
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| Musik: | | James Newton Howard
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| Ausstattung: | | Bruno Rubeo
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| Kostüme: | | Judianna Makovsky
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| Besetzung: | | Al D'Amato Pamela Gray Laura Harrington Judith Ivey Jeffrey Jones Don King Heather Matarazzo Debra Monk Craig T. Nelson Connie Nielsen Al Pacino Keanu Reeves Vyto Ruginis Ruben Santiago-Hudson Charlize Theron Tamara Tunie Christopher Bauer Neal Jones
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| Länge: | | 144 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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