
In China ist Homosexualität genau so verpönt wie unabhängiges Filmschaffen. Der Regisseur Zhang Yuan hat mit seinem Film East Palace, West Palace (Dong Gong, Xi Gong) gleich zweimal gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstossen: Ohne Erlaubnis der chinesischen Behörden verfilmte er die Lebensgeschichte eines chinesischen Schwulen. East Palace, West Palace ist der erste chinesische Spielfilm mit diesem Thema überhaupt. Das chinesische Filmbüro hat Regisseur Zhang Yuan seiner (für chinesische Verhältnisse) äusserst systemkritischen und revolutionären Filme wegen schon seit längerem auf die «schwarze Liste» gesetzt. Das bedeutet, dass ihm unter Androhung einer harten Strafe niemand seine/ihre Mitarbeit, das notwendige Material oder sonstige Hilfe anbieten darf. Zhang Yuan hätte diesen Film denn auch ohne Hilfe aus dem Ausland nicht angehen können.
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Kurz vor seiner Inhaftierung konnte Zhang Yuan das Filmmaterial ausser Landes nach Frankreich schmuggeln. Dort stellte man den Film schliesslich in Abwesenheit des Regisseurs fertig. Am Filmfestival in Cannes wurde er spät in der Nacht einer Reihe von Journalisten und Filmverleihern gezeigt. Schliesslich hat der Schweizer Filmverleih Ascot Elite die Verleihrechte an dem Film gekauft. So ist die Schweiz das Land, in dem der Film vor Kinopublikum seine Welturaufführung erlebt. Derweil bleibt Zhang Yuan arrestiert, für wie lange ist noch unklar.
«Viel Lärm um etwas, um das es eigentlich keinen Lärm mehr geben müsste.» East Palace, West Palace erzählt die Lebensgeschichte von A-Lan (Si Han), einem schwulen chinesischen Schriftsteller. In einem Park, wo sich die Schwulen nachts heimlich treffen, patroullieren Dutzende von Aufsehern, deren einziges Ziel es ist, pro Nacht möglichst viele «Sauhunde» aufzustöbern. Eines nachts wird A-Lan «in flagranti» erwischt und verhaftet. Er ist nicht der Einzige. Die Verhafteten werden zur Strafe schikaniert, indem sie stundenlang in der Hocke gegen eine Wand starren und die unerträglichen Schmerzen in ihren Beinen ertragen müssen. Ein Polizist, Xiao Shi gespielt von Hu Jun, nimmt sich A-Lan an, um ihn zu verhören. In der langen Nacht erzählt der junge Schriftsteller schliesslich seinem Schikanierer Episoden aus seinem Leben. Der Polizist fühlt sich zu A-Lan hingezogen, zugleich will er sich aber nicht von seiner kleinen, zurechtgerückten Welt lösen. Der schönste Satz des Films fällt denn auch in einer solchen Szene voller Spannung: «I can be a man. I can be a woman. I can be everything.» Hin- und hergerissen zwischen Tradition, Verstand und Sehnsucht, zwischen Vergangenheit und Gegenwart inszeniert Regisseur Zhang Yuan ein eindrückliches und mutiges Portrait. Nicht nur das eines jungen, chinesischen Schwulen, sondern auch das eines Landes.

| Titel: | East Palace West Palace (1997) | |
| Land: | China | |
| Genre: | Drama | |
| Bewertung: | ||
| Regie: | Zhang, Yuan Xiaobo, Wang | |
| Drehbuch: | Zhang, Yuan | |
| Produktion: | Menager, Christophe | |
| Kamera: | Zhang, Jian | |
| Schnitt: | Levy, Vincent | |
| Musik: | Xiang, Min | |
| Ausstattung: | Bing, An | |
| Besetzung: | Han, Si Jun, Hu | |
| Länge: | 90 Minuten | |
| Prod.-firma: | Ocean Films Quelqu'Un D'Autre Productions | |
| CH Verleih: |
Elite Film
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