Katzendiebe
Ein Spass für Götter
Wie man mit Miezen Geld verdienen kann...
Der Schweizer Film hat es schwer, sich gegen die übermächtige Konkurrenz
aus dem Ausland, vor allem aus Hollywood, zu behaupten. Das mag nicht alleine
damit zusammenhängen, dass die für die Filmförderung zuständigen Stellen beim
Bundesamt für Kultur sich bei Projekten mit "exploitativen" Charakter immer
noch ziemlich reserviert geben. So werden häufig nur Projekte berücksichtigt,
die zwar bestimmt einen grossen kulturellen Wert darstellen, aber vom Publikum
mehrheitlich verschmäht werden. Umso erfreulicher ist es, dass nun ein Film
in die grossen Säle kommt, bei dem man mit einem Lächeln auf den Lippen
statt mit einem schlechten Gewissen das Kino verlassen kann.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Loser, die sich, immer am
Rande der Legalität, mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen.
Der gewiefte Alain (Patrick Frey) betätigt sich als Entsorger
für Sondermüll, indem er den gefährlichen Abfall heimlich in
irgendwelche Tümpel schmeisst. Der etwas naive Fredi (Beat
Schlatter) entführt Hauskatzen, um später von den
verzweifelten Besitzer(inne)n einen saftigen Finderlohn zu
kassieren. Äusserlich versucht Alain, den beideren Geschäftsmann
zu spielen, doch als er seinen ehemaligen Schulkollegen Fredi
zufällig in einer Bahnhofstoilette trifft, ergreift er die
Gelegenheit und steigt in Fredis potentiell lukratives Business
ein. Mit raffinierten psychologischen Tricks versuchen die beiden
nun, bei den Katzenbesitzern mehr Geld rauszuholen.
Als Alains 16-jährige Tochter Tanja (Andrea Guyer), die in
einer Mädchenrockband spielt, einen Lieferwagen braucht, um ihr
Musikequipment für einen wichtigen Auftritt ins PalaisXtra zu
transportieren, springt er mit seinem Giftmülltransporter ein.
Doch beim Transport bauen unsere beiden Helden einen Unfall und
werden von zwei dubiosen Russen erpresst, die nur gegen 5000 Franken
in bar bereit sind, den Lieferwagen wieder rauszurücken. In
Geldnöten, beschliessen Alain und Fredi, die wertvolle Katze einer
Geistheilerin (Babett Arens) zu klauen, doch die Reize der
schönen Katzenbesitzerin bringen die Welt der beiden einsamen
Herzen arg durcheinander. Nur dummerweise scheinen sich nun Fredi
und Alain beide für die gleiche Frau zu interessieren...
Wer sich an der arg konstruierten Geschichte nicht stört wird
mit den "Katzendieben" vergnügliche aber auch melancholische
eineinhalb Stunden verbringen. Beat Schlatter und Patrick Frey
spielen routiniert, während Andrea Guyer mehr mit ihren Sangeskünsten
(die Musik stammt übringens von ZüriWest-Komponist Peter
von Siebenthal und Frank Gerber) glänzt als mit schauspielerischen
Fähigkeiten. Die Inszenierung von Markus Imboden ist adäquat,
wenn auch für eine Komödie recht zurückhaltend. Es ist gut, wieder
einmal einen erfrischenden und gut gemachten Dialektfilm zu sehen und
man kann nur hoffen, dass den "Katzendieben" so viel Erfolg beschert sein
wird wie den "Schweizermachern".
Martin A. Blatter
Angaben zum Film
- Regie: Markus Imboden
- Produktion: Ruth Waldburger
- Buch: Walter Bretscher, Beat Schlatter, Patrick Frey, Andreas Dobler, Markus Imboden
- Kamera: Rainer Klausmann
- Schnitt: Lilo Gerber
- Musik: Peter von Siebenthal, Frank Gerber
- Darsteller: Beat Schlatter, Patrick Frey, Babett Arens u.a.
- Länge: 85 Minuten
- Bild: 1.85:1
- Ton: Dolby Stereo
- Verleih: Filmcoopi
- Bewertung: ****.
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