Lautrec (1998)
Kleinwüchsig, humorvoll und extrem talentiert. Henri de Toulouse-Lautrec gehörte zu den bedeutensten Malern des letzten Jahrhunderts. Roger Planchon widmet ihm nun eine etwas zwiespältige Biographie.
von Serge Zehnder
Der Zwiespalt rührt in erster Linie daher, dass die erste Hälfte vom Aufstieg Lautrecs (durchwegs umwerfend verkörpert von Régis Royer) und die zweite Hälfte von seinem Niedergang trotz der unterschiedlichen Thematik kaum Neuerungen anfügen, die von Interesse wären. Dabei besitzt Planchon's Künstlerode sowohl inhaltliche wie auch stilistische Reize.
Das Adelshaus Toulouse-Lautrec ist in Aufruhr. Nach langem hin und her gebärt die Cousine und Ehefrau des Grafen Alphonse (Claude Rich) endlich einen Sohn, und somit einen Erben für das Vermögen der Lautrecs. Doch die nahe Verwandschaft der Eltern zollt ihren Tribut. Henri leidet an einer Knochenkrankheit, die zu Wachstumsstörungen führt. Dieses körperliche Defizit schränkt jedoch Henris Kreativität nicht ein, und sein gallischer (und manchmal auch galliger) Witz sorgt dafür, dass es ihm nicht an Freunden fehlt, nur mit der Liebe will es nicht so recht funktionieren.
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Der Meister (Royer) und seine Muse (Zylberstein).
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DER ZWERG UND DIE SCHÖNEN
Seine erste grosse Liebe Léontine (Nathalie Krebs) gibt ihm, wegen seines Aussehens einen Korb. Sie wird später einen stämmigen Offizier heiraten. Betrübt aber nicht weniger ambitioniert beginnt Lautrec kurz darauf bei Meister Cormon an einer der hochangesehensten Schulen Paris Malerei zu studieren. Dort lernt er auch schon bald seine erste Geliebte kennen, das Modell Marie, die von Cormon persönlich für den jüngfräulichen Spassmacher ausgesucht wurde. Nachdem der Grafensohn endgültig seine Hörner abgestossen hat, beginnt er sein Leben als Bohémien und pendelt zwischen der Gosse, dem Moulin Rouge, Bistros, Kneipen und dem Landsitz seiner Eltern. Er wird von Degas entdeckt, als Plakatmaler angestellt, lernt Van Gogh und die Malerin Suzanne Valadon (Elsa Zylberstein) kennen. Zwischen Suzanne und Lautrec entsteht so etwas wie Liebe. Eine Gefühlsregung, mit der Lautrec, wie auch Valadon, die ein Kind von einem geflüchteten Ehemann hat, schlechte Erfahrungen gemacht haben. Aus Respekt voreinander und der Ehrfurcht (und im Falle von Valadon dem Neid) vor der Arbeit des anderen droht die Beziehung immer wieder zusammenzubrechen. Die Frage, ob es nun der Künstler oder der Mensch ist den man liebt, entwickelt sich zu einem Teufelskreis.
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| Kleinwüchsig, aber mit dem Schalk im Nacken.
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DOPPELT GEMOPPELT
Wild, vulgär und wunderschön gefilmt, so beginnt Planchons Film. Vulgär (besonders was die Sprache anbelangt) und wunderschön gefilmt endet er auch wieder, doch die Wildheit der ersten sechzig Minuten bleibt in der zweiten Hälfte auf der Strecke und erliegt damit einem der Hauptprobleme einer Biographie: Wie straffe ich gewisse Abschnitte sinnvoll, ohne dabei etwas zu verfälschen? Wieder einmal wäre es von Vorteil gewesen die historischen Fakten zum Fenster hinauswerfen und ein bisschen mit der Geschichte spielen. Eine starke Atmosphäre geprägt von hervorragend durchkomponierten Bildern versucht den Film über erste anfängliche Schwächen hinwegzutragen. Das Auftreten und plötzliche verschwinden, oder etwas achtlose Ausscheiden von Nebenfiguren sorgt für weitere Verwirrung. Dieses Fehlen einer homogenen Geschichte führt dazu, dass aus Lautrec leider nicht mehr als ein prachtvoller und besonders humorvoller Bilderbogen wurde, der obwohl, das tragische Potential seiner Figuren im den Kampf des Herzens mit der Seele der Kunst, durchaus vorhanden gewesen wäre, dies nicht vollends nutzte.
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Das berühmte «Moulin Rouge» zur Zeit Lautrecs.
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Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Lautrec (1998)
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| Genre: | | Komödie
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| Regie: | | Roger Planchon
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| Drehbuch: | | Roger Planchon
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| Produktion: | | Margaret Ménégoz
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| Kamera: | | Gérard Simon
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| Schnitt: | | Isabelle Devinck
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| Musik: | | Jean-Pierre Fouquey
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| Ausstattung: | | Jacques Rouxel
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| Kostüme: | | Pierre-Jean Larroque
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| Besetzung: | | Anémone Hélène Babu Jean-Marie Bigard Marc-Antoine Dussouillez Sophie Lenoir-Raullin Hervé Pierre Claude Rich Régis Royer Elsa Zylberstein Claire Borotra Alexandra Pandev Amanda Rubinstein Florence Viala Élisabeth Vitali
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| Länge: | | 125 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Ton: | | Dolby Digital
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| Prod.-firma: | | Le Studio Canal+ France 3 Cinéma (FR 3) Les Films du Losange
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| CH Verleih: | |
Filmcooperative Zürich
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