Regie: Josiane Balasko Besetzung: Josiane Balasko, Victoria Abril, Alain Chabat Kamera: Gérard de Battista Produzent: Claude Parnet Produktion: Eine Koproduktion Renn Productions/ TF1 Films Productions/ Les Films Flam/ mit Beteiligung von Canal+ Verleih: Monopol Pathé Films Format: 35mm 1:1.85 Sound: Dolby SR
Ein flotter Dreier, diese Konstellation hat die Filmemacher immer schon fasziniert. Nachdem homosexuelle Beziehungen nun auch in Filmen thematisiert werden können, lag es nahe, das etwas ausgeleierte Thema Dreierbeziehungen mit den neuen Kombinationsmöglichkeiten zwischen den Akteuren verschiedenen Geschlechts und verschiedener sexuellen Präferenzen zu erweitern. Natürlich kommen die unendlich vielen neuen Verwicklungen, die in derartigen Beziehungen entstehen können, vorallem Komödien zugute, wie zum Beispiel der amerikanische Independent-Film Threesome eindrücklich bewiesen hatte. Gazon Maudit macht da keine Ausnahme, gibt dem Zuschauer aber ausser Unterhaltung auch noch eine moralische Belehrung mit auf den Weg. Dies war zwar auch bei den meisten "klassischen" Beispielen von Dreiecksgeschichten der Fall, dort wurde aber meist nur die Untreue gegeisselt. Bei Gazon Maudit spielen zwar die Seitensprünge des Ehemannes Laurent die grösste Rolle, ebenso wird der Zuschauer aber zum Nachdenken über Machoismus, Bisexualität und lesbische Liebe angeregt. Die äusserst heftige Reaktion des Machos Laurent auf die Verführung seiner Gattin Loli von der lesbischen Marijo will zum Beispiel die Theorie diskutieren, dass Lesben deshalb so stark von der (Männer-) Gesellschaft diskriminiert werden, weil die Männer fürchten, sie würden von den Frauen nicht mehr gebraucht werden, sie also ihre Macht über die Frauen verlieren würden.
Gazon Maudit ist aber vorallem eine Komödie. Erfrischend wirkt dabei natürlich die Herkunft des Filmes - in Frankreich wird Liebe und Sex nun mal weniger verklemmt thematisiert als in Hollywood - und die Schauspieler. Besonderst überzeugt der Komiker Alain Chabat in seiner Rolle als lesbenhassender Frauenheld in Nöten, man lacht sich über sein Verhalten schlicht und einfach tot. Aber auch Josiane Balasko als selbstbewusste und kämpferische Lesbe Marijo und die Spanierin Victoria Abril als attraktive, feurige, lebens- und liebeslustige Ehefrau zeigen ihr Können. Ebenfalls für heftige Lacher sorgt der in komischen Rollen erfahrene Ticky Holgado als Laurents Busenfreund Antoine.
Trotz allen Lobes bleibt leider auch etwas zu kritisieren. Die Geschichte will und will nicht aufhören. Immer wenn man denkt, jetzt hört der Film auf und lässt unsere Fantasie das weitere Schicksal des Trios weiterspinnen, kommt noch ein weiterer Handlungsabschnitt hinzu. Dadurch wirkt der Film gegen Ende schwerfällig, zum Glück vertuschen dies die unverändert guten komischen Momente ziemlich gut.
Insgesammt bleibt aber zu sagen: Hollywood nimm' Dich in acht vor solchen französichen Komödien!
Daniel Schneider
Kinostart: 29.9.