Nach sechs Jahren Leinwandabstinenz kommt, begleitet von einem
noch nie dagewesenen PR- und Werbespektakel, endlich das lange
erwartete 17. Bond-Abenteuer ins Kino. Ein neuer Hauptdarsteller (Pierce
Brosnan), ein neuer Regisseur (Martin Campbell, "Escape from Absolom")
und sogar ein neuer Komponist (Eric Serra) sorgen, zumindest an der
Oberfläche, für ein Facelifting für den "Chauvinistischen
Dinosaurier des Kalten Krieges". Doch es zeigt sich auch hier, dass die
alten Werte Bestand haben: Am meisten Zuspruch heimsen die noch
verbliebenen traditionellen Bond-Situationen ein, wie zum Beispiel
die Szene, in der Bond von Q die neuesten Spielzeuge vorgeführt
bekommt oder der übliche Smalltalk mit Moneypenny (Samantha Bond), die in Goldeneye auch einmal ausserhalb der gewohnten Büroumgebung
zu sehen ist.
Bond sieht sich in seinem neuestem Abenteuer mit einem ehemaligen Kollegen konfrontiert, der sich unter tätiger Mithilfe eines russischen Generals abgesetzt hat und nun mittels eines gekaperten Hi-Tech-Satelliten die Welt bedroht. 007 erhält nun von einem zur Matrone mutierten M die Aufgabe, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Selbstverständlich geht das nicht reibungslos vonstatten und so hat sich Bond unter anderem einer männerfressenden russischen Schönheit namens Xenia zu entledigen und legt in einer Verfolgsjagd im Panzer halb St. Petersburg in Schutt und Asche. Zudem erhält er Unterstützung von einer unattraktiv gekleideten russischen Computerspezialistin. In einem enttäuschenden Showdown auf einer Satellitenantenne in Kuba erwartet die Bösewichte schliesslich ihre verdiente Strafe in Form fantasievoller Todesarten.
Goldeneye ist ein nur marginal spannender und ebenso marginal
humorvoller Bond-Film. Brosnan macht keine schlechte Figur als
007 und haucht dem unbesiegbaren Geheimagenten wieder etwas
Leben ein, was sein trockener Vorgänger mangels Ausstrahlung
nicht geschafft hat. Doch die teilweise unbeholfenen Spezialeffekte,
wie zum Beispiel in der Szene, in der die russische Chemiefabrik
in die Luft fliegt, die uninteressante Musik von Eric Serra, die
eintönigen Schauplätze, die langweiligen Dialoge, denen
häufig die nötige Ironie fehlt, sowie das penetrante "product placement"
machen den Streifen zur Durchschnittsware.
Zudem enttäuscht die Regie von Martin Campbell. Sogar den Actionszenen fehlt oftmals der nötige Kitzel oder ein dramatischer Höhepunkt. Jeder Bond-Film hatte seine Löcher in der Logik, doch bei Goldeneye sind sie so gross, dass sich sogar Moonraker ein Stück davon hätte abschneiden können.
Bewertung: ** (von fünf Sternen)
Martin Blatter